Wer sich eine Weile mit europäischem Hosting beschäftigt, stößt wahrscheinlich auf AMS-IX und DE-CIX als Qualitätsmerkmal. Meist steht dort nur ein Satz wie „direktes Peering am AMS-IX“, ohne näher zu erklären, was das eigentlich bedeutet. Beide sind Internetknoten und beide zählen beim Datenverkehr beständig zu den größten der Welt.
Wenn man versteht, was sie tun, wird klar, warum der Begriff „direktes Peering“ wichtiger ist, als er zunächst klingt, und warum zwei Server mit identischen Spezifikationen je nach dahinterliegendem Netzwerk sehr unterschiedlich abschneiden können.
Was ist ein Internetknoten?
Ein Internetknoten (IXP) ist eine physische Einrichtung, in der mehrere Netzwerke, Internetanbieter, Hosting-Unternehmen, Content Delivery Networks und andere Teilnehmer ihre Geräte verbinden, um Datenverkehr direkt miteinander auszutauschen. Ohne einen IXP muss der Verkehr zwischen zwei Netzwerken möglicherweise mehrere andere Netzwerke durchlaufen, sogenannte Transit-Provider. Dadurch entstehen auf dem Weg zusätzliche Hops, Latenz und Kosten.
Durch die direkte Verbindung an einem gemeinsamen Internetknoten können Netzwerke Daten in einem einzigen Hop untereinander austauschen, anstatt sie über eine Kette von Zwischenstationen zu routen. Das nennt man Peering. Es ist einer der Hauptgründe, warum „Entfernung“ im Internet eher in Netzwerk-Hops und Millisekunden als in Kilometern gemessen wird.
Ein Server in Amsterdam und ein Server in Frankfurt können von einem bestimmten Besucher aus gesehen ungefähr gleich weit entfernt sein. Wenn ein Netzwerk jedoch effizient an einem großen Internetknoten peert, während das andere auf dem Weg zum selben Ziel drei zusätzliche Transit-Provider durchläuft, kann sich die Latenz deutlich unterscheiden.
Wie Peering technisch funktioniert
Wenn zwei Netzwerke vereinbaren, an einem Internetknoten zu peeren, verbinden sie ihre eigenen Router mit der gemeinsamen Switching Fabric des Knotens und bauen untereinander eine BGP-Sitzung (Border Gateway Protocol) auf. Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Datenverkehr zu den IP-Bereichen des jeweils anderen Netzwerks den direkten Weg über den Internetknoten, statt zu einem Transit-Provider und wieder zurück zu laufen.
Peering-Vereinbarungen gibt es in zwei grundsätzlichen Varianten: Settlement-free Peering, bei dem keine Seite die andere bezahlt, weil beide ungefähr gleich stark von der direkten Verbindung profitieren, und Paid Peering, bei dem ein Netzwerk für die Vereinbarung zahlt, weil der Datenverkehr stark einseitig verteilt ist. Das meiste Peering an großen Internetknoten wie AMS-IX und DE-CIX erfolgt settlement-free zwischen ähnlich großen Netzwerken.
Was ist DE-CIX?
DE-CIX ist ein Internetknoten mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Frankfurt ist der wichtigste Standort von DE-CIX und gilt für sich genommen nach Spitzendurchsatz allgemein als größter einzelner Internetknoten der Welt. Im Juli 2026 stellte der Frankfurter Standort mit rund 19,6 Tbps einen neuen Rekord auf; über mehr als 30 Rechenzentren in der Stadt sind dort mehr als 1.000 Netzwerke erreichbar.
Frankfurt selbst ist ein bedeutender europäischer Internet-Hub. Das liegt zum einen an seiner zentralen geografischen Lage in Europa und zum anderen daran, dass DE-CIX eine so hohe Dichte an Netzwerken angezogen hat, dass sich der Anschluss selbst verstärkt: Weitere Netzwerke kommen hinzu, weil andere Netzwerke bereits dort sind. In der Ökonomie von Internetknoten spricht man dabei auch von einem Netzwerkeffekt.
DE-CIX ist längst über seinen ursprünglichen Frankfurter Standort hinausgewachsen und betreibt weltweit mehr als 60 Internet and Cloud Exchanges in anderen Städten, darunter mehrere weit außerhalb Europas. Wichtig ist dabei, dass die größten veröffentlichten Verkehrszahlen von DE-CIX — das globale Netzwerk erreichte im Juli 2026 einen Rekordwert von rund 29,5 Tbps — kombinierte Werte der gesamten internationalen Präsenz sind und nicht nur des Frankfurter Internetknotens.
Was ist AMS-IX?
AMS-IX ist der Internetknoten in Amsterdam und gehört gemessen an der Größe zu den engsten Konkurrenten von DE-CIX. Beim Datenverkehr zählt er beständig zu den größten Internetknoten weltweit. Er ist außerdem einer der ältesten großen Knoten: AMS-IX wurde 1994 von einer Gruppe niederländischer Hochschul- und Forschungseinrichtungen gegründet, die Daten schneller direkt austauschen wollten. Allgemein gilt AMS-IX als Wegbereiter des neutralen, von Mitgliedern geführten Austauschmodells, das die meisten großen IXPs, darunter auch DE-CIX, später übernahmen.
Amsterdams Rolle als wichtiger europäischer Connectivity-Hub ist eng mit dem Wachstum von AMS-IX verbunden. Dort peert eine hohe Konzentration internationaler Netzwerke, Hosting-Anbieter und Content-Delivery-Dienste. Verstärkt wird dies durch die historisch günstige Position der Niederlande für internationale Transitrouten zwischen Europa, Nordamerika und zunehmend auch Asien. Der Amsterdamer Internetknoten verbindet derzeit mehr als 900 Netzwerke, zählt Amazon, Apple, Google, Netflix und Microsoft zu seinen Mitgliedern und stellte im April 2026 mit 15 Tbps einen neuen Spitzenrekord auf, nach 14 Tbps im Vorjahr. Auch die Präsenz wächst weiter: Die Kapazität der 400-Gigabit-Ports stieg allein im vergangenen Jahr um 65 %, und AMS-IX betreibt inzwischen weltweit 14 weitere Internetknoten neben Amsterdam.
Beide Internetknoten arbeiten nach demselben Grundmodell: Mitgliedsnetzwerke verbinden ihre eigenen Geräte mit einer gemeinsamen Switching-Infrastruktur und handeln untereinander Peering-Vereinbarungen aus. Oft fließt dabei kein Geld, weil in der Regel beide Seiten von der direkten Verbindung profitieren.
DE-CIX und AMS-IX im direkten Vergleich
In der Praxis ähneln sich die beiden Internetknoten stärker, als sie sich unterscheiden. Beide sind groß, gut angebunden und werden von ihren Mitgliedern geführt. An ihnen ist ein erheblicher Anteil der Netzwerke vertreten, die für den europäischen Datenverkehr wichtig sind. Einige Unterschiede sollte man dennoch kennen:
Standort. Der wichtigste Internetknoten von DE-CIX befindet sich in Frankfurt, der von AMS-IX in Amsterdam. Welcher davon für einen Hosting-Anbieter wichtiger ist, hängt meist davon ab, wo dessen eigene Infrastruktur steht und an welchem Knoten sein Netzwerk bereits peert.
Datenverkehr. Im direkten Vergleich der beiden Hauptstandorte erreichte DE-CIX Frankfurt im Juli 2026 einen Spitzenwert von rund 19,6 Tbps und lag damit vor dem AMS-IX-Rekord von 15 Tbps, der im April desselben Jahres in Amsterdam gemessen wurde. Die höheren und öffentlichkeitswirksameren Zahlen für DE-CIX im oberen 20-Tbps-Bereich sind unternehmensweite Gesamtwerte aller mehr als 60 Internetknoten weltweit und nicht allein Werte aus Frankfurt. Bei einem Vergleich lohnt es sich daher zu prüfen, welche Zahl tatsächlich verwendet wird. Beide gehören weiterhin zu den wenigen Internetknoten weltweit, die Spitzenlasten von mehreren Terabit verarbeiten, und der genaue Abstand verändert sich von Jahr zu Jahr etwas.
Reichweite. DE-CIX betreibt mehr als 60 Internet and Cloud Exchanges in Städten und Regionen außerhalb Frankfurts und verfolgt dabei eine auffällige internationale Expansionsstrategie. Auch AMS-IX ist auf 14 weitere Standorte weltweit angewachsen, seine Kernidentität bleibt jedoch eng mit Amsterdam verbunden.
Mitgliederbasis. Beide ziehen einen breiten Mix aus Internetanbietern, Hosting-Providern, Cloud-Plattformen und Content-Netzwerken an. Dabei gibt es erhebliche Überschneidungen, da viele große Netzwerke an beiden Internetknoten peeren, statt sich für einen zu entscheiden. Ein gut angebundener Hosting-Provider unterhält häufig gleichzeitig Peering-Sitzungen an mehreren großen europäischen Internetknoten.
Governance. Beide arbeiten als neutrale, von Mitgliedern geführte Organisationen und werden nicht von einem einzelnen Netzwerk kontrolliert. Das trägt dazu bei, dass sie als vertrauenswürdige Treffpunkte und nicht als proprietäre Infrastruktur eines einzelnen Unternehmens gelten. Der 1994 gegründete AMS-IX ist der ältere der beiden und wird allgemein als Wegbereiter dieses neutralen Non-Profit-Governance-Modells in Europa angesehen.
Für die meisten Hosting-Kunden lautet die praktische Frage nicht „Welcher Internetknoten ist besser?“, sondern „Peert mein Provider direkt an einem großen Internetknoten in der Nähe meiner Nutzer?“ Ein in Amsterdam gehosteter VPS mit direktem AMS-IX-Peering profitiert beispielsweise von kurzen, effizienten Wegen zu den vielen dort ebenfalls angeschlossenen Netzwerken. Dasselbe Prinzip gilt für einen Server in Frankfurt, der am DE-CIX peert.
Weitere wichtige europäische Internetknoten
AMS-IX und DE-CIX erhalten die meiste Aufmerksamkeit, sind aber nicht die einzigen bedeutenden Internetknoten in Europa. LINX (London Internet Exchange) erfüllt eine ähnliche Rolle für den britischen Datenverkehr, France-IX für Paris. Ein gut angebundener europäischer Hosting-Provider peert oft gleichzeitig an mehreren dieser Knoten. Jeder Internetknoten hat einen etwas anderen Mix aus Mitgliedsnetzwerken, und eine breitere Peering-Abdeckung führt in der Regel zu kürzeren Wegen für mehr Ziele.
Warum das für deinen VPS wichtig ist
Wenn ein Hosting-Anbieter mit direktem Peering an einem Internetknoten wie AMS-IX wirbt, macht er eine konkrete, überprüfbare Aussage: Der Datenverkehr zwischen seinem Netzwerk und jedem anderen an diesem Knoten angeschlossenen Netzwerk kann in einem einzigen Hop fließen, ohne Transit-Provider von Drittanbietern zu durchlaufen, die zusätzliche Latenz und mögliche Engpässe verursachen.
Für Besucher aus anderen gut angebundenen europäischen Netzwerken führt das tendenziell zu beständigeren Verbindungen mit niedrigerer Latenz. Es ist eines der verlässlicheren, überprüfbaren Zeichen für echte Netzwerkqualität statt bloßer Marketingsprache.
So überprüfst du die Peering-Angaben eines Providers
Bei den Peering-Angaben eines Hosting-Providers musst du dich nicht auf dessen Wort verlassen. Mit öffentlichen Looking-Glass-Tools kannst du einen Traceroute aus dem eigenen Netzwerk des Providers ausführen. Der resultierende Pfad zeigt, ob der Verkehr zu wichtigen Zielen eine kurze, direkt wirkende Route nimmt oder zunächst mehrere unbeteiligte Zwischennetze durchläuft.
Öffentliche Peering-Datenbanken wie PeeringDB führen außerdem auf, an welchen Internetknoten ein bestimmtes Netzwerk Mitglied ist. So lässt sich eine Peering-Angabe unabhängig von der Marketingseite eines Providers unkompliziert bestätigen.
Fazit
DE-CIX und AMS-IX beruhen auf derselben Grundidee: Wenn Netzwerke physisch nah beieinanderliegen und direkt verbunden sind, wird das Internet für alle Beteiligten schneller und widerstandsfähiger. Keiner der beiden Internetknoten ist abstrakt betrachtet die „richtige“ Wahl. Entscheidend ist, ob das Netzwerk deines Hosting-Providers tatsächlich an einem Internetknoten peert, der gut mit den Herkunftsregionen deines Datenverkehrs verbunden ist, und ob du diese Angabe überprüfen kannst, statt ihr einfach zu vertrauen.
Vielen Dank fürs Lesen! QDE hat seinen Sitz in den Niederlanden. Unsere Infrastruktur läuft in einem Tier-III-Rechenzentrum in Amsterdam mit direktem Peering am AMS-IX, einem der ursprünglichen neutralen Internetknoten, an den heute mehr als 900 Netzwerke angeschlossen sind. Dadurch erhalten Kunden Verbindungen mit niedriger Latenz nach Europa, Nordamerika und Asien, ohne unnötige Hops. Wenn du schnelles und skalierbares Hosting suchst, bietet QDE leistungsstarke VPS in den Niederlanden mit NVMe-Speicher und 10-Gbps-Uplinks.
Häufig gestellte Fragen zu Internetknoten
Muss ich Peering verstehen, um einen guten VPS-Provider auszuwählen?
Nicht im Detail. Es lohnt sich aber zu prüfen, ob dein Provider direktes Peering an einem großen Internetknoten wie AMS-IX oder DE-CIX erwähnt. Das ist ein recht verlässliches Zeichen für Netzwerkqualität.
Ist DE-CIX größer als AMS-IX?
Das hängt davon ab, welche Zahlen man vergleicht. Im Standortvergleich erreichte der Frankfurter Internetknoten von DE-CIX im Juli 2026 einen Spitzenwert von rund 19,6 Tbps und lag damit vor dem AMS-IX-Spitzenwert von 15 Tbps, der im April desselben Jahres in Amsterdam gemessen wurde. Die deutlich höheren Werte, die gelegentlich für DE-CIX genannt werden — beim jüngsten globalen Spitzenwert rund 29,5 Tbps — sind kombinierte Gesamtwerte des vollständigen Netzes aus mehr als 60 Internetknoten weltweit und nicht allein des Frankfurter Knotens. Beide gehören weiterhin zu den wenigen Internetknoten weltweit, die Spitzenlasten von mehreren Terabit verarbeiten.
Kostet Peering an einem Internetknoten Geld?
Das hängt von der Vereinbarung zwischen den beiden beteiligten Netzwerken ab. Viele Peering-Beziehungen an IXPs sind settlement-free, das heißt, keine Seite bezahlt die andere. Dies unterscheidet sich jedoch je nach Internetknoten und beteiligtem Netzwerk. Manche Vereinbarungen sind kostenpflichtig, wenn der Datenverkehr stark einseitig ist.
Kann ein kleiner Hosting-Provider am AMS-IX oder DE-CIX peeren?
Grundsätzlich ja. Der Provider benötigt dafür jedoch eigene Netzwerkgeräte und eine autonome Systemnummer und muss die technischen Anforderungen sowie die Mitgliedschaftsvoraussetzungen des Internetknotens erfüllen. Das ist ein größerer Aufwand, als einfach Transit von einem bestehenden Netzwerk einzukaufen.
Warum erwähnt QDE ausdrücklich Peering am AMS-IX?
Die Infrastruktur von QDE steht in Amsterdam. Direktes Peering am AMS-IX hält daher die Latenz für den Datenverkehr von und zu den vielen dort ebenfalls angeschlossenen Netzwerken niedrig.
Wie kann ich die Peering-Angaben eines Hosting-Providers selbst überprüfen?
Öffentliche Peering-Datenbanken wie PeeringDB führen auf, an welchen Internetknoten ein Netzwerk Mitglied ist. Mit einem öffentlichen Looking-Glass-Tool kannst du außerdem selbst einen Traceroute ausführen und prüfen, ob der Datenverkehr tatsächlich einen kurzen, direkten Weg nimmt oder über zusätzliche Zwischennetze geroutet wird.
Gibt es neben AMS-IX und DE-CIX noch andere große Internetknoten?
Ja. LINX in London und France-IX in Paris sind zwei weitere bedeutende europäische Internetknoten. Gut angebundene Provider peeren oft an mehreren großen Internetknoten statt nur an einem.
